Zur Verortung der Praxis im Studienverlauf –Mobilitätsanalyse der Studiengänge Soziale Arbeit

Abfrage des FBTS und der BAG Praxisreferate 2010 – Bericht auf dem FBTS Berlin

 

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse Aufgrund der Angaben von 48 Studiengängen:

 

  1. Curriculare Verortung von Praxisphasen und Module

Von 48 Studiengängen haben 37 ein Praxismodul von 25 – 30 CTP. 11 Studiengänge, haben kürzere Praxisphasen im gesamten Studium verteilt. Dieses betrifft insbesondere die zweiphasigen Studiengänge. In der Regel werden die intensiven Praxisphasen flankiert von z.B. Erkundungen, Sozialraumanalysen im Vorfeld und durch Praxisforschungsprojekte, Vertiefungspraktika im Nachhinein.

 

Alle beteiligten Studiengänge erfüllen die Mindestanforderungen  des FBTS mit 100 Tagen Praxis für die staatliche Anerkennung.

 

Von den 37  Studiengängen, die ein Modul von 25 – 30 CTP vorsehen, haben 28 diese im 4 und 5. Semester  verortet, 4 im 3. Semester und 5 im 6. und 7. Semester.

 

  1. Angebote und Möglichkeiten zur Betreuung auswärtiger Studierenden

 

  • Alternative 1 – Studiengänge, die auswärtigen Studierenden ein Praxismodul, einschließlich Prüfung anbieten und dazu 25 – 30 CTP vergeben

Zwar haben 37 Studiengänge ein Praxismodul von 25 – 30 CTP, aber nur 18 sind bereit dieses Modul komplett für Auswärtige anzubieten.

 

      2.2 Alternative 2 – Angebote für Auswärtige, eine Begleitung in der Praxisphase erhalten

Die auswärtig erbrachten Leistungen werden von der Heimathochschule angerechnet, bewertet und diese vergibt die CTP. Immerhin bieten von 48 Studiengängen 36 diese Form der Begleitung an. Diese Möglichkeiten fordert allerdings Flexibilität auf Seiten der Heimat- und der gastgebenden Hochschule. Mobilitätsfördernd wirkt hier eine großzügige Kompromissfindung zwischen Heimat-, gastgebende Hochschule und Studierende. Beispiel: Betreuung von Praxissemesterstudierenden in Begleitveranstaltungen zum BAJ, Begleitung von Absolventen/-innen im BAJ in Praxismodulen.

 

  • Alternative 3 – Angebot zur Begleitung durch die Teilnahme an regulären Seminaren

Nach Angaben der Studiengänge besteht bei 17 die Möglichkeit zur Praxisbegleitung in Seminare, z.B. Methoden, spezifischen Problem- und Lebenslagen, andere reflexionsorientierte Seminare, zu besuchen. Auch hier werden Kompromisslösungen, wie unter 2.2, zwischen den Akteuren auszuhandeln sein.

 

  • Gesamtbild unter Berücksichtigung von Alternativen 1 – 3

Nur 7 Studiengänge halten für auswärtige Studierende kein Angebot bereit. Der überwiegende Teil der Studiengänge (41) bietet mindestens eine der Alternativen an. Die Schwierigkeit für die Begleitung suchenden Studierenden ein Angebot im entsprechend vorgesehen Semester zu erhalten, wird dadurch verbessert, dass einige Hochschulen jeweils eine Alternative im Sommersemester und eine andere im Wintersemester anbieten

 

 

  • Begleitung im Berufsanerkennungsjahr von auswärtigen Absolventen/-innen

In originären Begleitgruppen für das BAJ kann nach Angaben der Studiengänge an 13 Hochschulen eine entsprechende Begleitung möglich sein. An 22 Studiengängen kann nach einer Begleitung nachgefragt werden, analog der Alternativen 2 und 3 (s.o.). Im Gesamtbild ergeben sich Begleitmöglichkeiten in 26 Studiengängen.

 

  1. Formale Inskription auswärtiger Studierenden oder Absolventen/-innen

Eine formale Inskription erfolgt in 27 Studiengängen, keine in 21. Die Vergabe von CTP, Prüfungen, einschließlich der Vergabe der staatlichen Anerkennung, sind Rechtsakte, die einer formalen Inskription zwingend erfordern und den Studierenden somit einen rechtsverbindlichen Status sichern. In der ausschließlichen Begleitung von Studierenden liegt die Verantwortung bei den Heimathochschulen.

 

 

  1. Was nicht abgefragt wurde …

 

4.1 Regionale Besonderheiten und Motive der Studierenden

Die Motive der Studierenden, Praxisstellen nicht in der Region der Heimathochschule zu suchen sind different. Beispiele:

  • Ländliches Einzugsgebiet, nicht ausreichende Praxisangebote,
  • Suche nach bestimmtem Aufgabenfeldern, Projekte etc. die nicht in der Region angeboten werden,
  • Perspektiven nach dem Studium liegen in einer anderen Region und Kontaktaufbau zur Praxis vor Ort,
  • Persönlich Motive.

Tendenziell ist die Mobilitätsbewegung der Studierenden hin zu den Ballungsräumen und Großstätten festzustellen. Insofern werden die Hochschulen in diesen Regionen häufiger angefragt, wie die in ländlichen Regionen. Dieser Umstand wurde bei der Befragung und Auswertung nicht berücksichtigt.

 

  • Größe der Studiengänge

Eigentlich könnte vermutet werden, dass größere Studiengänge mehr und flexiblere Angebote für auswärtige Studierende bereit halten und kleinere Studiengänge hingegen weniger. Das war nicht Gegenstand der Abfrage. Allerdings wird deutlich, dass kleinere Studiengänge durchaus mehrere Alternativen für Auswärtige und Größere nicht zwingend eine Einzige anbieten. Das legt die Vermutung nahe, dass nicht ausschließlich die jeweiligen Ressourcen mobilitätsfördernde Rahmenbedingungen verhindern. Hier sollte überprüft werden, ob die nichtförderlichen Rahmenbedingungen einer curricularen Korrektur unterzogen werden können.

 

 

  1. Vorläufige Schlussfolgerungen

– Eingedenk dessen, dass die neuen curricularen Konzepte der BA-Studiengänge doch zum Teil erheblich von denen der Diplomstudiengänge abweichen und die neuen Studienmodelle an den Standorten erprobt und weiter entwickelt werden, ist das bestehende Angebot an Betreuungsmöglichkeiten auswärtiger Studierender positiv zu bewerten. Dieses könnte jedoch weiter ausgebaut werden. Weniger günstig sind die Rahmenbedingungen für Absolventen/-innen zu bewerten, die ein Berufsanerkennungsjahr durchführen. Hier könnte eine flexiblere Handhabung, insbesondere der einphasigen Studiengänge, die Situation verbessern.

 

– Rückfragen und Rückmeldungen einzelner Studiengänge zu dieser Abfrage zeigen, dass dem Thema Mobilität und Praxisphasen bisher keine oder nur bedingte Aufmerksamkeit an einigen Studienstandorten gewidmet wurde. Fakultätsinterne Diskussionen und Klärungen wurden daraufhin z.T. mit positiven Ergebnissen geführt.

 

– Die Alternative 1 (komplettes Praxismodul, 25-30 CTP.) scheint ein „Best-Practice-Modell“ zu sein. Dieses wird zwar nur von 18 Studiengängen bisher angeboten, könnte aber theoretisch von 37 Studiengängen angeboten werden, da sie entsprechende Module vorhalten. Dieses Modell wäre für Studierende dann in den meisten Bundesländern verfügbar, gäbe Sicherheit bezüglich Planung, Kalkulierbarkeit von Quantität und Qualität sowie des Ergebnisses. Würden hierbei die Studiengänge diese Möglichkeiten für Sommer- und Wintersemester anbieten und dieses im 4. und 5. Semester verorten, entstünde ein optimales Zeitfester zur Mobilität, für dass geworben werden kann. National und international.

 

– Für die Anbieter von Praxisstellen, stellt sich die derzeitige Situation als unübersichtlich dar. Für sie stellen sich Fragen: von welcher Hochschule, mit welchen Anforderungen, wie qualifiziere ich Anleitung für diverse unterschiedliche Praxisphasen, wie kommuniziere ich mit den verschiedenen Hochschulen, wie konzeptioniere ich die Praxisphasen so, dass sie für die Studierenden eine sinnvolle, erkenntnisgenerierende, in das Studium eingebundene Erfahrung wird, usw.? Die Alternative 1, flächendeckend angeboten, würde hier Orientierung schaffen.

 

– Die formale Inskription der Studierenden und die finanziellen Forderungen durch die jeweiligen Hochschulen sind äußerst different. Eine formale Inskription sollte für alle angebotenen Begleitformen (Alternativen 1 – 3) selbstverständlich sein und somit die gegenseitige Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit unterstreichen. In welcher Form das geschieht, ist – im Sinne der Förderung von Mobilität – nicht entscheidend.

Eine maßvolle Anforderung an Gebühren jedweder Art ist unproblematisch. Jedoch muss gefragt werden, ob Studiengebühren von 500,- €, plus Sozialbeitrag, nicht eher abschrecken.