Stellungnahme des Fachbereichstag Soziale Arbeit

zu dem Diskussionspapier der AGJ: “Die Kooperation der Lernorte stärken! Auf gemein-same Mindeststandards verständigen! – Der Praxisbezug und dessen Bedeutung für die staatliche Anerkennung in den Studiengängen der Sozialen Arbeit“ vom 17./18.09.2015
Der Fachbereichstag Soziale Arbeit hat auf seiner Mitgliederversammlung am 12.11.2015 den Inhalt des vorgenannten Diskussionspapiers der AGJ zur Bedeutung des Praxisbe-zugs in den Studiengängen Sozialer Arbeit begrüßt und unterstreicht die Forderung der AGJ, die Kooperation der Lernorte zu stärken.
Die diesbezüglichen Positionen und Forderungen spiegeln in großen Teilen das Selbstver-ständnis der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften wider und entsprechen sowohl den Vorstellungen der Hochschulen über die im Diskussionspapier zugrundeliegende Auf-fassung einer Theorie-Praxis-Wechselbeziehung als auch der überwiegenden gängigen Praxis der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Dieses Verständnis kommt in der Integration der Praxisphase bzw. des Praxissemesters an den Hochschulen für Ange-wandte Wissenschaften zum Ausdruck und zum Tragen. Gleichwohl ist eine zielgerechte Weiterentwicklung der Praxis als akademisch zu reflektierender Lernort in dem skizzier-ten Sinne des Diskussionspapiers wünschenswert und anzustreben.
Nach Ansicht des FBTS ist für einzelne Aspekte des Diskussionspapiers eine differenzie-rende Betrachtungsweise angezeigt. So ist die Forderung der AGJ, eine Formalisierung des Lernortes Praxis analog zur fachschulischen Ausbildung von Erzieher*innen vorzu-nehmen, nicht direkt auf die Konstruktion der hochschulbegleiteten Praxisintegration übertragbar. Zwischen Fachschulen als Orte der vollzeitschulischen Ausbildung und Hoch-schulen als Orte der akademischen Ausbildung bestehen Unterschiede hinsichtlich ihres Bildungsauftrags und ihrer Zielsetzung sowie ihrer Eingebundenheit in
unterschiedliche rechtliche und institutionelle Hierarchien. Diese Unterschiede wirken sich auch in des pädagogischen und kompetenzorientierten Konstruktion der Praxisphasen der vollzeitschulischen und des wissenschaftlichen Ausbildungssystems aus.
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Die Praxisphase im Studium der Sozialen Arbeit an Hochschulen für Angewandte Wissen-schaften ist zunächst unabhängig von der Vergabe der staatlichen Anerkennung Bestand-teil der akademischen Ausbildung und unterliegt daher der hochschulischen Verantwor-tung als Bestandteil des Studiums. Die Praxisphase im Rahmen des Studiums der Sozia-len Arbeit hat somit akademischen Ansprüchen zu genügen. Insofern ist die Abstimmung und Verständigung mit der Praxis über Standards und Qualität des Praxisbezugs eine Aufgabe, die Hochschulen in ihrer Autonomie auszugestalten haben. Sie sind in der Aus-gestaltung dieser Aufgabe unabhängiger als Fachschulen gegenüber den mit ihnen ko-operierenden Praxislernorten und jeweils zuständigen Ministerien.
Gleichwohl spricht sich auch der FBTS für eine Verständigung auf gemeinsame Mindest-standards mit definierten Qualitätsmerkmalen zwischen den Hochschulen und den jewei-ligen Lernorten aus. Diese Mindeststandards sollten auch für die Verleihung der staatli-chen Anerkennung gelten.
Strikt zu trennen ist diese Verständigung auf Mindeststandards jedoch von der staatli-chen Anerkennung als hoheitlicher Akt, die in die Zuständigkeit und den Kompetenzbe-reich der jeweils zuständigen Fachministerien / Behörden fällt. Eine Vermischung dieser Fragen ist aus Sicht des FBTS in keiner Weise förderlich für das Anliegen des Diskussi-onspapiers. Eine Verknüpfung dieser beiden Themenkomplexe dürfte eher zu einer kom-plexen und kontraproduktiven Problemsteigerung als zu konstruktiven Lösungsmöglich-keiten führen.
Der FBTS lehnt deshalb eine Verknüpfung der Diskussion über Mindeststandards für die Kooperation mit den Lernorten mit dem verschiedentlich geäußerten Wunsch nach Vergabe der staatlichen Anerkennung für andere Disziplinen wie der der Erziehungswis-senschaften als nicht zielführend ab.
Der FBTS verweist dazu auf seine Stellungnahme vom 26. Juni 2014 zur staatlichen An-erkennung von erziehungswissenschaftlichen Bachelorstudiengängen, wenn diese nicht die inhaltlichen Anforderungen an das Studium der Sozialen Arbeit sowie die Vorausset-zungen für die staatliche Anerkennung erfüllen (vergl. dazu auch die weitgehend de-ckungsgleichen Stellungnahmen der BAG Praxisämter vom 25.-27. November 2015 und des DBSH vom 14. Juni 2014).
Der FBTS lehnt die Verleihung der staatlichen Anerkennung für erziehungswissenschaftli-che Bachelorstudiengänge aus besagten Gründen mit Nachdruck ab.
Der FBTS unterstützt hingegen die Vorschläge der AGJ zu einer Verständigung auf ge-meinsame Mindeststandards mit Qualitätskriterien für einen professionell strukturierten Praxisbezug. Der FBTS schließt sich den Forderungen der AGJ nach personellen, zeitli-chen und finanziellen Ressourcen für eine qualifizierte Begleitung in den Praxisstellen sowie der Gewährung einer angemessenen Existenzsicherung der Studierenden während der Praxisphasen vorbehaltslos an.